Macht Geburtenrückgang die Wirtschaft produktiver? - 31. Juli 2026
Macht Geburtenrückgang die Wirtschaft produktiver? -
Weniger Kinder, weniger Arbeitskräfte, weniger Wachstum: Diese Rechnung klingt logisch, könnte aber falsch sein. Eine neue Studie zeigt, dass sinkende Geburtenraten Unternehmen zu Automatisierung und technologischem Fortschritt zwingen. Warum ausgerechnet der demografische Druck die Produktivität erhöhen kann und welche Chancen sich daraus für Deutschland ergeben.
Besonders in Industriestaaten sinken die Geburtenraten seit Jahren. Das hat Folgen für die Wirtschaft, den Arbeitsmarkt und die Sozialsysteme. Manche Experten sprechen bereits von einer drohenden Krise. Doch nicht alle sehen das so. Aber eine schrumpfende Bevölkerung kann auch Vorteile bringen – etwa für Umwelt, Bildung und Wohlstand.
Sinkende Geburtenraten in vielen Ländern
Noch wächst die Weltbevölkerung, vor allem in Afrika. Doch in vielen wohlhabenden Ländern ist der Höhepunkt bereits überschritten. Experten erwarten, dass die Bevölkerungszahlen in Europa, Nordamerika und Teilen Asiens bis zum Jahr 2100 um bis zu 50% zurückgehen.
Die wichtigste Ursache: sinkende Geburtenraten. Damit eine Bevölkerung stabil bleibt, müsste jede Frau im Durchschnitt 2,1 Kinder bekommen. Doch die Zahlen liegen deutlich darunter.
So ist Deutschland mit 1,36 Geburten pro Frau im Jahr 2023 wie die meisten anderen Länder von dieser Rate weit entfernt. In ganz Europa sind es 1,4 Kinder pro Frau, in Nordamerika 1,6. In China lag lange Zeit die Geburtenrate sogar nur bei einem Kind pro Frau – mit Folgen: Die Einwohnerzahl schrumpft dort bereits im dritten Jahr in Folge. Japan hat bereits seit 2008 drei Millionen Einwohner verloren.
Russland ist das offensichtlichste Beispiel: Es ist das größte Land der Erde, es ist voller natürlicher Ressourcen, doch es liegt im Sterben: seine Bevölkerung nimmt auf katastrophale Weise ab. Wenn Wladimir Putin nicht mehr Präsident Russlands ist, wird sein Land etwa 15 Mio. Einwohner verloren haben, von denen ein Drittel bis die Hälfte Muslime sein werden.
Neue Chancen durch den Bevölkerungsrückgang
Trotz aller Warnungen sehen einige Wissenschaftler auch positive Effekte. Mit weniger Kindern pro Familie steigt oft das Bildungsniveau, weil Eltern mehr Zeit und Geld in die Ausbildung investieren können. Eine gut ausgebildete Bevölkerung wiederum kann die Produktivität steigern und den Fachkräftemangel teilweise ausgleichen.
Auch für die Umwelt könnte der Rückgang der Bevölkerung Vorteile haben. Eine Studie in China zeigt, dass weniger Menschen auf dem Land dazu beigetragen haben, dass sich die Natur besser erholt – Wälder wachsen nach, die Luftqualität verbessert sich.
Sinkt die Geburtenrate um einen Prozentpunkt, steigt das Bruttoinlandsprodukt je Beschäftigtem um 26,8%. Sobald Arbeitskräfte knapp werden, reagieren Unternehmen mit Investitionen in Robotik und Automatisierung. Gleichzeitig sucht die Gesellschaft nach Wegen, effizienter zu arbeiten. Eine schwache demografische Entwicklung muss das Wirtschaftswachstum daher nicht zwangsläufig bremsen.
Ökonomen und möglicherweise noch stärker die Medien warnen häufig vor den negativen Folgen des demografischen Wandels. Einige Untersuchungen und zahlreiche Artikel gehen davon aus, dass ältere Beschäftigte weniger produktiv, weniger innovativ und weniger unternehmerisch sind. Sie seien weniger bereit, Risiken einzugehen, und könnten sich schwieriger an technologische Veränderungen anpassen. Eine kleinere Bevölkerung bedeute zudem eine schwächere Nachfrage und weniger Ideen, die die Welt verändern.
Deshalb ist die Überzeugung weit verbreitet, dass eine alternde Bevölkerung und ein zunehmend begrenztes Arbeitskräfteangebot das Wirtschaftswachstum abwürgen und die Weltwirtschaft in eine lang anhaltende Stagnation treiben könnten. Demnach drohe Stillstand in der Wirtschaft, in den Unternehmen und in der Wissenschaft.
Demografischer Wandel zwingt Unternehmen zur Anpassung
Doch diese Annahme trifft offenbar nicht zu. Zu diesem Ergebnis kommt der Wirtschaftsnobelpreisträger Daron Acemoglu gemeinsam mit weiteren Forschern in der demografischen Studie „Baby Busts and Growth Booms: Demographic Change and the Macroeconomy". Die Analyse zeigt, dass ein Rückgang der Geburtenrate, also der Zahl der Geburten je 100 Einwohner, um einen Prozentpunkt mit einem Anstieg des Bruttoinlandsprodukts je Beschäftigtem um 26,8 Prozent verbunden ist.
In Volkswirtschaften mit einer bereits anfänglich niedrigen Geburtenrate stieg das reale Bruttoinlandsprodukt je Beschäftigtem zwischen 1970 und 2023 um 150%. In Ländern mit einer mittleren beziehungsweise hohen Geburtenrate nahm es dagegen lediglich um 26,3 beziehungsweise 39,4% zu. Die Ökonomen argumentieren, dass es sich nicht nur um einen statistischen Zusammenhang, sondern um eine Ursache-Wirkungs-Beziehung handelt. Wenn die Zahl der verfügbaren Arbeitskräfte sinkt und die Bevölkerung altert, erhalten Unternehmen stärkere Anreize, in neue Technologien und Automatisierung zu investieren.
Für Länder und Regionen mit niedriger Geburtenrate sind mehr Patente im Bereich der Automatisierung und bei Technologien typisch, die den Bedarf an menschlicher Arbeit verringern. Gleichzeitig wächst dort der Hochtechnologiesektor schneller. Auch die totale Faktorproduktivität, im Englischen „Total Factor Productivity", nimmt stärker zu. Eine niedrigere Geburtenrate fördert demnach den technologischen Fortschritt und das Produktivitätswachstum. Dies führt letztlich zu einem schnelleren Wirtschaftswachstum je Beschäftigtem.
Die Untersuchung zeigt, dass Gesellschaften über eine natürliche Anpassungsfähigkeit verfügen, die häufig unterschätzt wird. Vor mehr als 200 Jahren sagte Thomas Robert Malthus voraus, ein unkontrolliertes Bevölkerungswachstum werde die Nahrungsmittelvorräte erschöpfen und eine globale Katastrophe auslösen. Die Menschen passten sich jedoch an. Wissenschaftliche Entdeckungen und neue Technologien ermöglichten eine deutlich produktivere Landwirtschaft. Heute fürchten viele Beobachter, dass der Bevölkerungsrückgang das Wirtschaftswachstum zum Erliegen bringt und Innovationen verlangsamt. Vieles deutet jedoch darauf hin, dass die Gesellschaft erneut ihre Fähigkeit beweist, sich an tiefgreifende Veränderungen anzupassen.
Automatisierung wird zum Standortfaktor
Auch für Deutschland ist diese Entwicklung von großer wirtschaftlicher Bedeutung. Die niedrige Geburtenrate und der altersbedingte Rückgang des Arbeitskräfteangebots erhöhen den Druck auf Unternehmen, Produktionsprozesse zu automatisieren, digitale Technologien einzusetzen und die Produktivität der vorhandenen Beschäftigten zu steigern.
Aus den dargestellten Forschungsergebnissen lässt sich allerdings nicht ableiten, dass demografische Probleme für Deutschland folgenlos bleiben. Die Studie betrachtet vor allem die Wirtschaftsleistung je Beschäftigtem. Sie beantwortet nicht unmittelbar, wie sich eine schrumpfende Bevölkerung auf das gesamte Bruttoinlandsprodukt, die sozialen Sicherungssysteme oder die Finanzierung von Renten und Pflege auswirkt.
Um die vermindernden Steuereinnahmen auszugleichen müsste künftig eine „Wertschöpfungsabgabe“ erhoben werden. Ob unser derzeitiges politisches Personal dafür den Mut hat, darf bezweifelt werden.
Für deutsche Unternehmen lautet die zentrale Botschaft dennoch: Der demografische Wandel muss nicht zwangsläufig zu wirtschaftlicher Stagnation führen. Entscheidend ist, ob Betriebe den Arbeitskräftemangel als Anreiz nutzen, stärker in Robotik, künstliche Intelligenz, moderne Produktionsverfahren und die Qualifizierung ihrer Beschäftigten zu investieren.
Maschinen und Roboter ersetzen dabei nicht einfach fehlende Kinder. Sie können jedoch helfen, knapper werdende Arbeitskräfte produktiver einzusetzen. Damit wird die Fähigkeit zur technologischen Anpassung zu einem entscheidenden Standortfaktor für die deutsche Wirtschaft.
Wie können Gesellschaften sich anpassen?
Statt den Rückgang der Bevölkerung als Krise zu sehen, müsste sich das Wirtschaftssystem anpassen. Das Arbeitsleben könnte sich verändern: Menschen arbeiten länger, haben aber häufiger Phasen der Weiterbildung. Auch soziale Sicherungssysteme müssten flexibler werden.
Ältere Menschen sollten nicht nur als Belastung gesehen werden, sondern als aktive Mitglieder der Gesellschaft. Statt immer nur nach Wachstum zu rufen, muss sich die Gesellschaft fragen: Wie wollen wir in Zukunft leben?
Fazit: Die demografische Entwicklung Deutschlands erfordert zwingend, dass die ökonomische Überforderung der sozialen Sicherungssysteme umgehend beendet werden muss. Vor diesem Hintergrund sollte jedem Staatsverantwortlichen deshalb klar sein, dass vor allem die Zuwanderung von Armutsmigranten aus Afrika und Westasien sofort aufhören muss. Vernünftig und zukunftsorientiert zu handeln heißt heute, die Rückführung großer Teile dieser nicht integrierbaren Volksgruppen in ihre angestammten Lebensräume mit Vorrang in Angriff zu nehmen.
Denn die Armutszuwanderung löst weder unseren Mangel an hochqualifizierten Kräften auf dem Arbeitsmarkt der Zukunft noch unser unbestreitbares demografisches Problem. Geht Deutschland den Weg der Massenzuwanderung aus aller Herren Länder aber weiter, begeht unsere Gesellschaft ohne jeden Zweifel ökonomischen und sozialen Selbstmord.
Es ist das Grundgesetz von 1949, dem sich jeder unterordnen muss, der in Deutschland lebt oder den Boden der Bundesrepublik betritt.
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