Deutschland 2050 – am 25. August 2026
Deutschland 2050: Wie Alterung, Zuwanderung und Islam das Land verändern könnten -
Eine Studie der Neuen Züricher Zeitung von Oliver Maksan, Berlin 21.12.2025
Die Bevölkerung der Bundesrepublik wird sich in 25 Jahren deutlich anders zusammensetzen als heute. Werden die Weichen jetzt nicht richtig gestellt, drohen massive gesellschaftliche Verwerfungen.
Deutschland befindet sich in einem massiven Umbruch. Die glückliche Gleichzeitigkeit von billigem russischem Gas, China als Werkbank und Absatzmarkt und amerikanischem Schutz ist verschwunden und wird nicht wiederkehren.
Die NZZ versucht in einer fünfteiligen Folge auf das Deutschland des Jahres 2050 zu blicken. In welchem Land werden die Bürger dann im schlimmsten, im besten und im wahrscheinlichsten Falle leben? Kann es sich selbst verteidigen? Wird es noch ein Industrieland sein, das für sozialen Ausgleich sorgt? Oder wird man den sozialen Status von Menschen an ihren Zähnen erkennen? Wie wird es um die liberale Demokratie bestellt sein?
Den Auftakt machen Überlegungen zur Zukunft der deutschen Bevölkerung. Neue Zahlen des Statistischen Bundesamtes sagen Deutschland eine schnellere Alterung voraus als bisher angenommen.
Das hat Auswirkungen auf die Sozialsysteme, aber auch auf die Mentalität eines Landes. Eine ältere Bevölkerung ist weniger wagemutig bei Investitionen als eine jüngere. Auch die Zuwanderung wird Deutschland weiter verändern. Neben Vorteilen für Produktivität und Pflege werden damit soziale und kulturelle Probleme verbunden sein. Das zeigt sich schon jetzt.
Ob Deutschland daraus lernt oder nicht, wird in 25 Jahren deutlich sichtbar sein.
Bei moderater Zuwanderung schrumpft die deutsche Bevölkerung bis 2070 auf 74,7 Mio. Einwohner.
1. Der schlimmste Fall: ein hoffnungslos zerrissenes Land
Der betagte deutsche Bundespräsident Cem Özdemir mahnt seine Landsleute zum Jahresende 2050 in seiner Abschiedsansprache zum gesellschaftlichen Zusammenhalt. Während das früher eine Floskel war, ist der Aufruf nun wirklich nötig. Deutschland ist ein zutiefst zerrissenes Land.
Das Stadt-Land- und das Ost-West-Gefälle sind dabei noch das geringste Problem. Deutschland ist 2050 deutlich städtischer als 25 Jahre zuvor. Die alternde Bevölkerung zieht es in die mittleren und großen Städte, wo sich das Leben leichter bewerkstelligen lässt. Viele Dörfer und Weiler, gerade im Osten Deutschlands, aber auch in Teilen von Rheinland-Pfalz beispielsweise, leeren sich. Das soziale Leben – Vereine, Kirche, vom Gasthaus oder Bäcker gar nicht erst zu reden – im ländlichen Raum verödet, das Brauchtum stirbt aus. Dafür haben Wölfe große Teile des Landes zurückerobert.
Das größere Problem ist, dass sich die Bevölkerung massiv verändert hat. Die verbliebenen Babyboomer sind 2050 am Ende ihres Lebens angekommen. Sie waren die letzte ethnisch-kulturell homogene Generation von Deutschen. In jeder Alterskohorte nach ihnen nahm der Anteil von Menschen mit Migrationshintergrund zu. Bei den Jüngsten gibt es keine klaren Mehrheitsverhältnisse mehr, in die hinein sich Zuwanderer integrieren könnten – selbst, wenn sie wollten.
Viele Städte und Gemeinden in Nordrhein-Westfalen, aber auch Teile Berlins und Hamburgs sind zu islamischen Parallelwelten geworden. Der Anteil von Muslimen beträgt im Bundesdurchschnitt zwar unter zwanzig Prozent. An bestimmten Orten sieht es aber anders aus; sie entwickeln sich über die Jahre immer mehr zu Magneten für Muslime, die hier unter ihresgleichen sind. Der Ruf des Muezzins ist in vielen Städten Alltag.
Über Familiennachzug und Heiraten direkt im Herkunftsland kommen permanent weitere Muslime nach Deutschland und bringen ihre kulturellen Prägungen mit. Imame werden oft aus Syrien, Afghanistan oder dem Irak eingeflogen. Ein deutscher Islam hat sich, anders als von der Politik kurz nach der Jahrtausendwende erhofft, nie herausbilden können.
Autochthone Deutsche sind aus den Orten und Vierteln mit hohem Muslimanteil längst weggezogen oder spielen mit dem Gedanken. Homosexuelle meiden die Orte. Die Bewohner sind dabei selbst zu großen Teilen deutsche Staatsbürger. Die massenhafte Einbürgerung von Asylbewerbern hat dazu geführt, dass der Anteil von Muslimen an der deutschen Wählerschaft seit Jahren wächst.
Formell gelten in den Orten mit hohem muslimischem Bevölkerungsanteil deutsche Gesetze. Weibliche Polizeiangehörige werden aber schon lange nicht mehr in bestimmte Viertel geschickt, um für Ordnung zu sorgen. Sie genießen dort keine Autorität. Stattdessen werden Polizisten eingesetzt, die selber häufig muslimischen Glaubens sind. Diese wiederum beäugen autochthone Deutsche mit Misstrauen. Gruppenbezogenes Denken frisst sich wie ein Gift durch das Land und seine Institutionen.
Viele Streitigkeiten zwischen den Bewohnern werden von islamischen Friedensrichtern geregelt, nicht mehr von deutschen Gerichten. In den örtlichen Schwimmbädern wird Geschlechtertrennung praktiziert. Im öffentlichen Personennahverkehr gilt sie de facto auch. Ortsunkundige Männer, die sich in den üblicherweise Frauen vorbehaltenen hinteren Teil des Busses verirren, ernten böse Blicke aus dem vorderen Busteil.
Alkohol ist in den muslimisch geprägten Teilen Deutschlands natürlich nicht verboten, aber es gibt ihn kaum zu kaufen. Lokale Supermärkte, in denen Halal-Produkte dominieren, haben ihn nach Protesten aus dem Sortiment genommen.
An die Viertel und Orte mit muslimischer Mehrheit schließen sich häufig solche mit besonders hohem Anteil autochthoner Deutscher an, die nur ein geringes Einkommen aufweisen. Beide Gruppen sind schließlich auf günstigen Wohnraum angewiesen. Der Staat hat immer weniger zu verteilen. Konkurrenz zwischen ethnischen Gruppen belastet das Zusammenleben. Wohlhabende Kreise mit meist ererbtem Vermögen haben sich längst an den Stadtrand verabschiedet, viele auch in Gated Communities.
Die Kriminalität ist hoch. Anders als erhofft hat sich die Überrepräsentation von Ausländern in der polizeilichen Statistik in der zweiten und dritten Generation nicht herausgewachsen, der sozioökonomische Status dieser Gruppe ist auch im Jahr 2050 niedrig geblieben. Das belastet das Zusammenleben massiv und sorgt für Misstrauen entlang ethnischer Linien. Die deutsche Unterschicht wählt längst nicht mehr die AfD. Die ist ihr nach der Regierungsbeteiligung auf Bundesebene und den damit verbundenen Kompromissen zu lasch geworden.
Stattdessen nimmt sie die Sache oft selber in die Hand. Bürgerwehren zum Schutz der deutschen Kultur und Heimat entstehen. Immer wieder kommt es deshalb wie in Großbritannien zu Zusammenstößen zwischen autochthonen und muslimischen Deutschen.
Rechtsextremisten kippen Schweinefett vor Moscheen. Radikale Muslime rächen sich und entehren Kirchen mit Fäkalien. Linksextremisten reisen zu den folgenden Unruhen an und stellen sich an die Seite der Muslime. Der Staat greift martialisch durch, überlässt die Viertel sonst aber sich selbst. Die in den zwanziger Jahren oft leichtfertig beschworenen Weimarer Verhältnisse sind vielerorts Realität geworden. Der Appell des scheidenden Bundespräsidenten Özdemir dürfte deshalb ungehört verhallen.
Bei den Juden ohnehin. Die gibt es in Deutschland 2050 kaum noch. Die Anfeindungen durch linke Antizionisten, vor allem aber durch radikale Muslime haben die meisten wie schon in Frankreich außer Landes getrieben. Das Gros ist nach Israel emigriert.
2. Der beste Fall: Ein neues Wir ist entstanden
Der scheidende Bundeskanzler Alexander Dobrindt zeigt sich in seiner Ansprache zum Jahresende zufrieden. Die Maßnahmen, die er als Innenminister Mitte der zwanziger Jahre mit angeschoben hat, wirkten. Er spart nicht mit Selbstlob. Tatsächlich schützt die EU ihre Außengrenzen schon lange robust. Die wenigen Asylbewerber, die noch Schutz beantragen, erhalten diesen in Drittstaaten, nicht mehr auf europäischem Boden. Das schreckt ab.
Eine Minderheitsregierung der CDU Ende der zwanziger Jahre hat einen Einbürgerungsstopp für ehemalige Asylbewerber verhängt. Das hat die Zusammensetzung der Staatsbürger vor noch weiter reichenden Verwerfungen bewahrt.
Die illegale Migration und mit ihr die Einwanderung in die Sozialsysteme ist durch all diese Maßnahmen weitgehend zum Erliegen gekommen. Gleichzeitig gelingt es Deutschland deutlich besser als vor 25 Jahren, die besten Köpfe anzuziehen. Die Wirtschaft ist nach einer in den zwanziger Jahren verabreichten Rosskur wieder angesprungen. Steuern konnten gesenkt, Sozialabgaben im Zaum gehalten werden. Die Infrastruktur funktioniert nach einer Generalsanierung wieder vorbildlich. Die Bahn ist wieder der Stolz des Landes. Zusammen mit der vollständig digitalisierten Verwaltung ist das Land attraktiv für hochqualifizierte Zuwanderer.
Im Niedriglohnsektor experimentiert Deutschland erfolgreich mit KI und lädt Gastarbeiter aus kulturell leichter vermittelbaren Herkunftsländern wie den Philippinen auf Zeit ein. Der steigende Bedarf an Zuwanderung im Pflegebereich kann so gedeckt werden, ohne dass das Land sich gesellschaftlich überfordert.
Der seit den sechziger Jahren des vorigen Jahrhunderts eingewanderte Islam hat sich erfolgreich in Deutschland integriert. Ditib hat die engen Bindungen an den türkischen Staat längst gekappt und ist zu einem moderat-konservativen Moscheeverein geworden. Der Druck der deutschen Behörden hat gewirkt.
Auch in den anderen Moscheen des Landes wird deutsch gepredigt, nicht arabisch oder Farsi. Die Imame werden in Deutschland ausgebildet. Viele sind konservativ, aber kaum jemand radikal. Wo sich Muslime radikalisieren und Gewalttaten planen, kommt es zu einem Aufschrei in der islamischen Gemeinschaft. Nach dem letzten schweren Terroranschlag 2048, bei dem ein Muslim in Dresden in die Menge fuhr, demonstrierten Zehntausende Muslime vor dem Brandenburger Tor gegen den Terror und für einen gesetzestreuen Islam.
Die Zahl der Muslime ist dabei seit Jahren rückläufig. Viele Migranten aus Syrien und Afghanistan haben Deutschland verlassen, weil sie mit den deutschen Lebensverhältnissen nicht klarkamen. Staat und Bürger machten nämlich unmissverständlich klar, dass diese nicht verhandelbar sind. Wer geblieben ist, hat sich angepasst und respektiert die Werte des Grundgesetzes.
Akzeptanz der deutschen Leitkultur etwa mit Blick auf die Gleichberechtigung der Geschlechter fordert mittlerweile auch die deutsche Linke. Sie hat erkannt, dass progressive Anliegen nicht mit massenhafter Einwanderung von Menschen aus patriarchal geprägten Kulturen in Einklang zu bringen sind. Geschichten von Schwulen, die sich in den migrantisch geprägten Vierteln Berlins nicht mehr heimisch fühlten und die Stadt deshalb verlassen haben, hat man lange nicht mehr gehört.
Das Judentum hat sich stabilisiert. Zwar müssen Synagogen anders als Kirchen oder Moscheen noch immer bewacht werden. Aber das Belagerungsgefühl, das viele Juden 25 Jahre vorher noch darüber nachdenken ließ, nach Israel auszuwandern, ist verschwunden. Es kommt sogar vereinzelt wieder zu einer Zuwanderung von Juden nach Deutschland.
Sicher, Deutschland hat sich verglichen mit dem Land von vor 50 oder auch nur 25 Jahren verändert. Falafel und Hummus sind in den deutschen Speiseplan eingegangen wie Pizza und Döner. Allerdings ist das Land mit seiner spezifischen geschichtlichen und kulturellen Prägung immer noch erkennbar. Auch Zuwanderer schätzen die deutsche Kultur und Geistesgeschichte und begreifen sie als gemeinsames Erbe. Sie wird selbstbewusst an Schulen vermittelt. Die Verantwortung für die Erinnerung an die Shoah wiederum nehmen auch immer mehr Muslime, aber auch die AfD längst als Auftrag wahr.
Insgesamt ist ein neues Wir entstanden. Die Bindung an die Herkunftsländer hat stark nachgelassen, die an Deutschland stark zugenommen. Die 2029 wieder eingeführte Wehrpflicht erweist sich als Schule der Nation auch bei jungen türkischstämmigen Männern. Niemand hält sich mehr an das Assimilierungsverbot, das der verstorbene ehemalige türkische Staatschef Erdogan seinen in Deutschland lebenden Landsleuten einbläute.
Auch Migranten aus anderen Teilen der Welt machen Deutschland aus Überzeugung zu ihrer Sache. Sie ermahnen ihre Kinder, gute Schüler zu sein und gute Bürger zu werden. Deutschland ist ein nach Jahrzehnten der Verunsicherung wieder in sich ruhendes Land. Das neue Vertrauen in die Zukunft zeigt sich auch in steigenden Geburtenraten.
3. Der wahrscheinliche Fall: fragile Stabilität
Bundespräsidentin Julia Klöckner steht einer ratlosen Nation vor. Die Stimmung ist schlecht. Die frühere Bundestagspräsidentin versucht ihre Landsleute in ihrer Ansprache zum Jahresende 2050 aufzumuntern.
Vor 25 Jahren hätten manche davor gewarnt, dass Deutschlands Wirtschaft zusammenbrechen könne, sagt sie. Und so schlimm sei es nun nicht gekommen. Klöckner gibt aber zu, dass die Bundesrepublik längst nicht mehr den dritten Platz unter den Volkswirtschaften der Welt einnimmt. Doch die Deutschen lassen sich von dem Zweckoptimismus der früheren Weinkönigin nicht anstecken. Dafür sind die Gegensätze im Land zu groß.
Junge neiden den Alten die guten Jahre. Sie hingegen müssen eine hohe Steuerlast tragen – nicht zuletzt, um die in den zwanziger Jahren aufgenommenen Kredite und die angesichts eines noch immer feindseligen Russland hohen Verteidigungsausgaben zu stemmen. Gleichzeitig haben sie vom Staat in der Not weniger zu erwarten als ihre Eltern und Großeltern. Staatliche Umverteilung wurde notgedrungen reduziert. Von mickrigen Rentenansprüchen muss man gar nicht erst reden. Immer mehr gut ausgebildete junge Deutsche suchen deshalb ihr Heil im Ausland.
Zurück bleibt eine durch Alterung, Stadt-Land-Gefälle und Zuwanderung fragmentierte Gesellschaft. Das Zusammengehörigkeitsgefühl schwindet – und damit die Bereitschaft der deutschen Bevölkerung, wechselseitig Solidarität zu üben. Zugleich ist der Staat noch immer damit beschäftigt, Zuwanderer aus aller Welt zu unterstützen, weil viele nicht in Arbeit sind und umfangreiche medizinische Leistungen in Anspruch nehmen.
Die Zuwanderung über die Asylschiene hat auch 35 Jahre nach der Flüchtlingskrise nämlich nicht aufgehört. Sie erreichte zwar nie wieder das Niveau jener Jahre. Aber auch 2050 sind wie in den Jahren zuvor abermals mehr als 60 000 Asylbewerber in Deutschland registriert worden. Wie die Asylmigranten vor ihnen werden sie irgendwann aus der Ausländerstatistik fallen und eingebürgert sein.
Die reguläre Zuwanderung, auf die das alternde Land schon aus Produktivitätsgründen angewiesen wäre, kommt demgegenüber nicht auf Touren. Dafür ist die deutsche Wirtschaft einfach nicht mehr attraktiv genug. Der Mitte der zwanziger Jahre noch befürchtete Niedergang konnte in seiner schlimmsten Form wie von Bundespräsidentin Klöckner hervorgehoben zwar abgewendet werden.
Doch hochqualifizierte Fachkräfte machen einen Bogen um Deutschland. Demgegenüber nimmt die Einwanderung im Niedriglohnbereich zu. Pflegepersonal aus Uganda und Malaysia führt die Statistiken an. Das ist für die alternde Bevölkerung wichtig. Kulturell ist der Graben zur autochthonen Bevölkerung aber tief.
Vor allem in Ostdeutschland, das von der Alterung besonders stark betroffen ist, wird das als zusätzliche Überfremdung wahrgenommen. Die AfD regiert hier in mehreren Bundesländern seit Jahren. Das hat den innerdeutschen Graben zu Westdeutschland massiv vertieft, wo man die Rechtspartei massiv anfeindet. Weil der Osten Deutschlands wegen Überalterung aber immer weniger Gewicht auf die bundespolitische Waagschale legen kann, hat er auf die Migrationspolitik nur noch bedingt Einfluss.
Der Anteil autochthoner Deutscher ist im Osten deutlich grösser als im Westen. Auf dem Gebiet der alten Bundesrepublik stellen sie zwar noch immer die größte Bevölkerungsgruppe, aber der Anteil von Bewohnern mit Migrationshintergrund hat massiv zugenommen.
Das führt nicht überall zu Problemen. Viele ehemalige Asylmigranten haben sich schließlich längst an die deutschen Lebensverhältnisse angepasst, in der zweiten Generation sogar assimiliert. Doch das ist nicht die Mehrheit. Zu groß ist der kulturelle Graben, der die alteingesessene Bevölkerung und Neubürger trennt. Von den ab 2015 ins Land gekommenen Syrern ist kaum jemand zurückgekehrt. Alle sind mittlerweile eingebürgert.
Sie und andere ehemalige Asylmigranten halten sich an die Gesetze des Landes. Sie tragen aber wenig zur Wertschöpfung bei und führen ein Leben in Parallelgesellschaften. Das ist besonders in Gegenden mit hohem Muslimanteil wie Berlin oder Nordrhein-Westfalen der Fall. Heiraten zwischen den Bevölkerungsgruppen finden kaum statt. In den wenigen Fällen ist die notwendige Bedingung die Konversion der Frau zum Islam. Ehepartner werden häufig direkt in den Herkunftsländern gefunden und ins Land geholt.
Schließlich gibt es die Gruppe derjenigen, die zum Radikalismus neigen. Anfällig sind besonders Kinder und Jugendliche in der zweiten Generation. Sie sind heimat- und wurzellos und suchen im Islamismus Heimat. Von moderaten islamischen Autoritäten lassen sie sich nichts sagen. Den islamischen Religionsunterricht an staatlichen Schulen, den es in allen Bundesländern gibt, lehnen sie als zu lasch ab. Einzelne schrecken vor dem Einsatz von Gewalt im Namen Allahs nicht zurück.
Die Zahl der deutschen Juden hat vor diesem Hintergrund weiter abgenommen. Aber auch Weihnachtsmärkte müssen seit Jahrzehnten geschützt werden. Die Lebensverhältnisse in dem alternden und sich durch Zuwanderung rasant verändernden Land müssen ständig neu ausgehandelt werden. Phasen und Gegenden der Stabilität wechseln sich mit solchen der Verunsicherung ab. Das Lebensgefühl früherer Jahrzehnte stellt sich nicht mehr ein. Die Ära bundesrepublikanischer Sicherheit gehört endgültig der Vergangenheit an.
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